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13. Mai 2008 - Artikel aus dght.de

Drastische Habitatänderungen und ihre Auswirkungen auf die Populationsdynamik langlebiger Schildkröten

 

Natürliche oder künstliche radikale Veränderungen im Lebensraum beeinflussen ökologische Zusammenhänge in komplexer Weise. Solche lokalen Katastrophen entziehen den dort lebenden Tieren gewöhnte Ressourcen und zwingen sie, längere Zeit mit suboptimalen Lebensbedingungen zurecht zu kommen. In Reaktion darauf wird oft beobachtet, dass sich die Balance im Energieaufwand für eigenes Wachstum und Fortpflanzungserfolg verschiebt.

 

Ein Forscherteam um Kenneth Dodd vom Department of Wildlife Ecology and Conservation der University of Florida hat in einer kürzlich veröffentlichten Langzeitstudie Ergebnisse zu entsprechenden Untersuchungen an Dosenschildkröten der Art Terrapene carolina bauri publiziert. Da diese Schildkröten auch im Freiland sehr alt werden können, eignen sie sich besonders für die Untersuchung langfristiger Folgen von Habitateingriffen.

 

So konnten die Forscher über 14 Jahre lang Daten von immer wieder denselben markierten Schildkröten sammeln und auswerten. Besonderes Augenmerk galt dabei den langfristigen Folgen verheerender Wirbelstürme und drastischer Ausrottungsaktionen eingeschleppter exotischer Pflanzen. Adulte Männchen reagierten auf beides durchweg mit einer bis fast zwanzigprozentigen Steigerung ihrer Wachstumsrate, wogegen sich das Wachstum gleich alter Weibchen um etwa den selben Betrag reduzierte. Jungtiere reagierten zunächst ebenfalls mit verstärktem Wachstum, subadulte Tiere stellten dann jedoch in Folge der Störungen ihr Wachstum über längere Zeit weitgehend ein. Dafür wurden die jungen Männchen ca ein Jahr früher geschlechtsreif als üblich. Auch hier reagierten die jungen Weibchen völlig anders und erreichten die Geschlechtsreife bis über zwei Jahre später als gewöhnlich.

 

Da beiden Geschlechtern die gleichen Ressourcen zur Verfügung standen, schlussfolgern die Forscher, dass die Weibchen anders als die Männchen in den Krisenzeiten mehr Energie in den Fortpflanzungserfolg in Form großer Gelege als in ihr individuelles Wachstum investieren. Dass subadulte Schildkröten beiderlei Geschlechtes langsamer wuchsen, erklären die Forscher damit, dass für dieses spezielle Lebensalter wichtige Nahrungsbestandteile, vor allem Kleintiere, durch die Katastrophen knapp würden.

 

Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen damit, dass dieselbe Katastrophe die Wachstumsraten der Mitglieder betroffener Populationen in Abhängigkeit von Geschlecht und Alter individuell sehr unterschiedlich beeinflussen können. Vor allem bei langlebigen Arten wie der untersuchten Schildkrötenspezies können solche individuellen Effekte deutliche Langzeitauswirkungen auf die Populationsdynamik haben und beispielsweise erklären helfen, warum sich Populationen bisweilen nur sehr langsam von Katastrophen erholen, selbst wenn die Überlebensrate der adulten Mitglieder sehr hoch war.

 

(Quelle: DGHT, C. Kenneth Dodd, Jr. & Michael J. Dreslik (2008). Journal of Zoology 275: 18-25)

 

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