Home
CONTACT
Sitemap
Print

Bedrohung von Arten durch wissenschaftliche Erstbeschreibung

Das renommierte Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichte in seiner Maiausgabe einen Brief, in dem die bekannten amerikanischen Herpetologen Bryan L. Stuart, Anders G. J. Rhodin, L. Lee Grismer und Troy Hansel die negativen mittelbaren Auswirkungen ihrer Forschungsarbeiten auf die Bestände ihrer Forschungsobjekte beklagen. Die derzeitige globale Biodiversitätskrise veranlasse viele Wissenschaftler, sich besonders um die Erfassung von Lebensraumgemeinschaften zu bemühen, was fast immer mit der Entdeckung und Beschreibung neuer Arten einhergehe. Unglücklicherweise, so die Autoren, haben diese Neubeschreibungen gerade auf Hobbyvivarianer nur allzu oft eine plakative Werbewirkung, wecken Begehrlichkeiten und erzeugen dadurch Märkte. Die meisten modernen Erstbeschreibungen enthielten detaillierte Angaben zum Fundort und so werde ein wissenschaftlicher Artikel rasch zur Schatzkarte für Händler und Schmuggler. Drei der Autoren des Briefes mussten selber erleben, wie eigene Erstbeschreibungen der kommerziellen Ausbeutung bereits bestandsbedrohter Arten in die Hände spielten. Unmittelbar nach der Beschreibung der auf der indonesischen Insel Roti endemischen Schildkröte Chelodina mccordi und des südchinesischen Geckos Goniurosaurus luii wurde der internationale Tierhandel auf diese Raritäten aufmerksam und beide Arten wurden zu vierstelligen Dollarpreisen angeboten. Heute steht Chelodina mccordi daher bereits kurz vor der Ausrottung und das Vorkommen von Goniurosaurus luii an der Typuslokalität ist erloschen. Der nordlaotische Warzenmolch Paramesotriton laoensis wurde bis zu seiner kürzlichen Erstbeschreibung überhaupt nicht gehandelt. Nach erscheinen der Publikation im letzten Jahr nutzten deutsche und japanische Sammler die Daten der Erstbeschreibung zum Auffinden der Tiere und heute wird die Art in beiden Ländern zu dreistelligen Dollarpreisen angeboten. Ähnliche Fälle gibt es viele und weltweit. Das Verschweigen von Fundorten in entsprechenden Publikationen würde eine solche Ausbeutung zwar erschweren, aber ebenso die Erforschung und den Schutz neuer Arten. Ein Dilemma. Immerhin ermöglicht heutzutage das Internet den Taxonomen eine frühe Abschätzung, ob eine Erstbeschreibung potenziell Nachfrage nach der jeweiligen Art und deren Ausbeutung anstoßen könnte. Die Autoren fordern daher ihre Kollegen dazu auf, engen Kontakt mit den jeweils zuständigen Behörden und Naturschutzorganisationen zuhalten. So könnten notfalls rechtzeitig, vorzugsweise bereits im Vorfeld, rechtliche Schutzmassnahmen eingeleitet werden. Diese Maßnahmen sollten höchste Priorität haben, selbst, wenn dieses Vorgehen das Erscheinen von Publikationen im Einzelfall erheblich verzögern könnte und ein Erfolg keinesfalls garantiert sei. (Quelle: DGHT / Stuart et al (2006), Science 26 Vol. 312. no. 5777, p. 1137)

 

Aktuelles

Zu unseren kostenlosen Vorträgen sind Vereins-Mitglieder und Gäste herzlich eingeladen!

Anlass Mai

"Von Kapstadt nach Windhoek - der Schildkröten wegen!"
Hans-Dieter Philippen

Freitag, 11. Mai 12, 19.45 Uhr, Rest. Stadtmühle Liestal

 Mehr Infos

Anlass August

"Von 0 auf 100 - Meine Erfahrung in Haltung und Gehegebau für Griechische Landschildkröten"
Martin Lauper

Freitag, 17. August 12, 19.45 Uhr, Rest. Stadtmühle Liestal

 Mehr Infos

Anlass September

"Die Europäischen Sumpfschildkröte in der Schweiz - was gibt's Neues?"

Markus Kutzli

Freitag, 21. September 12, 19.45 Uhr, Rest. Stadtmühle Liestal

 Mehr Infos

Anlass Oktober

"Eichhörnchenstation Buttwil - Die Station"

Andrea Turnell

Freitag, 12. Oktober 12, 19.45 Uhr, Rest. Stadtmühle Liestal

 Mehr Infos

Anlass November

"SFB-Jahresessen"

Freitag, 9. November 12, 19.45 Uhr, Rest. Stadtmühle Liestal

 Mehr Infos