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Artikel aus dght.de

Ärger mit nicht-heimischen Schildkröten ? fremde Arten können gefährliche Krankheiten übertragen, die einheimische Reptilien bedrohen

Wie dunkle Erhebungen sind Schildkröten auf einem Stamm im Harriman State Park aufgereiht. Die Hälse vorgestreckt, absorbieren sie die Herbstsonne ? und das ist gar nicht gut. Es handelt sich nämlich um Red-Eared Sliders (Rotwangen-Schmuckschildkröte, Trachemys scripta elegans), die hier eigentlich nicht vorkommen dürfen und Krankheiten haben könnten, die einheimische Arten anstecken. In New York ist das Aussetzen von Tieren ohne behördliche Genehmigung verboten. Wer könnte also diese Art von Umweltschädigung betreiben? Die Antwort: Tierbesitzer, die überfordert sind, wenn ihre niedlichen Red-Ears auswachsen ? bis zu einer Panzerlänge von 28 cm. "Ein neues Zuhause für eine große Red- Eared Slider zu finden, ist so schwierig wie für einen Leguan", sagt Kathy Michell, Vorsitzende des NY State Center für den Schutz und die Rehabilitation von Schildkröten. Darum entsorgen die Besitzer ihre Tiere in ein riesiges "Aquarium" wie den im Harriman Park von Orange County gelegenen Abschnitt des Sebago Sees nennt. Aber geplagte Besitzer, deren Schildkröten nicht mehr niedlich klein sind, sind nicht die einzigen Schuldigen: Religiöse Gruppen "retten" Schildkröten, die in Netzen und Kisten in NY?s Chinatown als Delikatesse angeboten werden. Außerdem kaufen manche ostasiatische religiöse Gruppen die Tiere, damit ein schlechtes Karma von den Menschen auf sie übergehen möge. Wenn sie dann in die Wildnis entlassen werden, sollen sie das Karma mit sich nehmen, wie der Naturschützer Jay Westervelt berichtet. "Vor einigen Jahren fand ein Ranger der Naturschutzbehörde eine religiöse Gruppe und versuchte, sie zum aufhören zu bewegen. Aber bevor er bei ihnen eintraf, hatten sie bereits einen Korb voll Schildkröten im Kanawaukee See im Orange County entladen", erinnert sich der Herpetologe Al Breisch. "Diese religiösen Leute denken, sie tun etwas Gutes, aber die meisten Tiere sterben vermutlich." Die meisten vielleicht, aber nicht alle. Tatsächlich, so Breisch, überleben genug, um Krankheiten zu übertragen, die wilde Schildkröten töten könnten. Die Red-Eared Sliders und andere ausgesetzte Arten sind normalerweise südlich und weit westlich der Catskills-Bergkette beheimatet und niemand weiß zur Zeit, welche Krankheiten diese Tiere vielleicht in ihre neue Umgebung mitgebracht haben. In der Natur ereignen sich alle möglichen unvorhersehbaren Domino-Effekte. Darum fordern Wissenschaftler, dass einheimische Arten nicht in Kontakt mit fremden Arten kommen dürfen. Wir wissen noch zu wenig. Nach einem Was-alles-passieren-könnte Szenario, das Wayne Hall das Gesetz der ungewollten Folgen nennt, könnte u.a. dies passieren oder schon geschehen sein: Als Hypothese nimmt Westervelt an, dass eine durch Schildkröten ausgelöste Katastrophe sich bereits ereignet hat ? und zwar für Frösche: Einige Schildkröten, wie die in Chinatown, werden in unhygienischen engen Behausungen gehalten, die bereits sichtbar mit Pilzen bedeckt sind, wie von Westervelt und dem Biologielehrer Mike Mallon dokumentiert wurde. Pilze werden weltweit mit dem Sterben von Fröschen in Verbindung gebracht. Tatsächlich sind die gefährdeten Northern Cricket Frösche (Acris crepitans) des Harriman Park fast verschwunden. Könnte es sein, dass die durch Schildkröten aus Chinatown verbreiteten Pilze schuld am Tod der Frösche sind? Für Westervelt ist dies durchaus möglich, denn im Glenmere See z.B., dessen Trinkwasser durch Algen tötendes Kupfersulfat gereinigt wird, gedeihen Cricket Frösche prächtig. Aber die wirklich wichtige Frage ist, ob die illegal ausgesetzten Schildkröten den Winter überlebt haben und sich fortpflanzen. Mc Gowan hält dies für gut möglich, wenngleich bisher keine Beweise hierfür vorliegen. Jedoch ist es nach Breisch den anpassungsfähigen Red-Eared trotz des Sterbens vieler von ihnen schon gelungen, bereits andere Orte zu erobern, wie das kalte Syrakus. Und jetzt sind sie bereits in jedem Bundesstaat und auch in Europa, stellt Michell fest. Beunruhigenderweise fand sie eine befruchtete Slider im Sullivan County. Das bedeutet, die Tiere paaren sich - und produzieren befruchtete Eier. (Quelle: DGHT, Wayne A. Hall, Times Herald Record)

 

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