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Winterschlaf der Mediterranen Schildkröten - ein Roulettespiel ... ?

Kommt es Ihnen so vor? Ja, der Winter war wie seit 20 Jahren nicht mehr!

Für gesunde Tiere jedoch sicher kein Problem, denn die Ur-Tiere ertragen äusserst viel - sonst wären sie nicht mehr hier!

Anders wäre dies, wenn solche Winter die Regel wären.

Das wissen wir aus den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte mit unseren gepanzerten Schützlingen. Denn derjenige, welcher seine Europäer 5-6 Monate im Jahr in den Keller stellte, hat mit Bestimmtheit nicht mehr alle Tiere aus seinen Anfangszeiten - denn dies entspricht der natürlichen Winterstarre (das ist eigentlich der korrekte Ausdruck für die Winterruhe) der Tiere sicherlich nicht!

Vergleichen Sie die Klimadaten der Herkunftsgebiete, so wird Ihnen klar, dass sowohl im November wie auch schon Ende Februar durchaus Tage mit genügend Temperatur für Aktivitäten der Schildkröten gegeben sind.

Insbesondere gilt dies für Jungtiere, da diese viel weniger Sonneneinstrahlung brauchen um sich auf ihre Vorzugstemperatur aufzuheizen (physikalisches Gesetz: eine Tasse Milch zu erwärmen braucht auch weniger Energie als einen Liter ...). Bei den frisch geschlüpften ist dies noch extremer. Da etliche von denen erst im Frühjahr schlüpfen sind sie gegen Kälte in einem gewissen Sinn resistent (ertragen Minustemperaturen), sonst würden sie in der Gelegegrube (wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche) erfrieren.

Daraus lässt sich ableiten, das Jungtiere auf keinen Fall eine ausgesprochen lange Ruhephase abhalten - diese stellt sich erst mit dem erreichen von mehr Gewicht, nach und nach ein. Zudem suchen die Tiere in der Natur während der Ruhzeit Schutzstellen auf, welche bevorzugte klimatische Verhältnisse aufweisen. Unter Steinen, in Felsritzen oder unter dichtem Buschwerk, Ansammlungen von Falllaub ? gerade mal unter der Grasnarbe eingegraben, schützen sie sich vor den Temperaturextremen. Oftmals sind dies die gleichen Zufluchtsorte wie im Sommer vor der grossen Hitze. Da bleibt ihnen das empor klettern aus dem Lichtschacht oder der tiefen Überwinterungsgrube erspart.

Sie mögen argumentieren, bei unseren Verhältnissen ist dies nicht möglich!

Sehr wohl, wenn sie eine zeitgemässe Haltung mit einem richtig aufgebauten Schutzhaus (aus Mehrfachstegplatten) mit Schlafgrube betreiben, so können die Tiere nahezu einen naturnahen Lebensrhythmus abhalten. Ist die Grube ausreichend gedämmt (frostsicher) und der Luftraum im Schutzhaus mit Laub gefüllt, so mag auch ein kalter Winter den Tieren in vermeintlich geringer Tiefe nichts anhaben. Bei den ersten wärmeren Phasen erwachen die Tiere, setzen sich oben auf die Laubschicht - bei einbrechender Kälte kriechen sie wieder darunter. Werden diese Warmphasen länger, sind Sie gefragt, denn dann lechzen die Tiere nach frischen jungen saftigen Kräutern von der Wiese, die sich alsbald mit zahlreichen Blüten ergänzen. In der Natur ist der Frühling ausgebrochen, dies bedeutet schlemmen für das ganze Jahr (denn danach wird der Tisch nie mehr so saftig und reichhaltig und im Übermass gedeckt sein)! Kein Wunder, kommt dann auch Hochzeitstimmung auf (nicht nur bei den Tieren ...).

Sollten Sie immer noch das mulmige Roulettgefühl haben, so packen sie die notwendigen Änderungen zur art- und tiergerechten Haltung an oder sie fassen die Haltung von tropischen Tieren ins Auge, dann können sie ihre Nerven im Winter schonen ...

Wünsche einen schönen Frühling!

Hans Hersche
19. März 2006

PS: Schon überlegt, was zu tun ist, wenn der Frühling klimatisch ins Wasser fällt? Die Natur bei uns hätte es bitter nötig (Trockenheit aus den vergangene Jahren)! Für unsere Lieblinge bedeutet dies jedoch auch weniger Sonnenschein und damit weniger Wärme!

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