Winter in der Langen Erlen
Knirschenden Schnee unter den Füssen stapfe ich durch den verschneiten Park.
Kein Fussweg ist mehr zu sehen; die weiche Schneedecke hat alles gleichgemacht.
Auch Geräusche hat sie gedämpft. Das so schon sparsame Schnattern der Wildenten schwappt wie auf Watte über das Eis. Diese Wintergäste gruppieren sich am offenen Wasserloch neben dem zugefrorenen Schildkrötenteich. Umgeben von klirrender Kälte schwadern und tauchen sie munter drauflos. Ich als Warmblüter, bekunde zur Zeit grosse Mühe, ihnen ihr Vergnügen nachzufühlen......
Nur schon die nackten Füsschen auf dem Eis!
Puh!
Ja, der Herr Winter hat die Natur fest im Griff. Die Emys-Anlage liegt unter Eis und Schnee.
Wie von dürren Hexenfingern gezogen entfernt sich darüber die Spur einer Ralle.
Hier und dort zwängt sich eine bizarre Wurzel aus dem Weiss ? jede ein Gedicht für sich. Die weissen Hauben auf dem Schwarz des Altholzes versöhnen Gedanken an die Vergänglichkeit.
Noch stehen die Karden des letzten Jahres; steif und kratzig, wie das Eis zu ihren Füssen. Spröd' starren sie gen Himmel, sich reibend mit gläsernem Klang.
Die harten, grotesken Fransen der Früchte starren empor, wie aggressive Frisuren riesiger Insekten. Den ätherischen Flockenschaum hat ihnen Frau Holle aufgesetzt.
Durch die geschlossene Schneedecke scheinen die Nachbarn näher gerückt. Auf dem reinen Weiss ist das Schalenwild viel deutlicher auszumachen, als auf dem braunen Waldboden des Sommers.
Während die Hirschkühe von einem Teil des Geheges ins andere wechseln, bleibt ihr sehnsüchtiges Fiepen hängen in den Kristallen der frostigen Luft.
Die Storchennester sind kalt und leer. Einzig eine zerzauste Krähe hält noch verloren die Stellung auf einem Horst.
Wie ausgestopft stehn die drolligsten Nachbarn unserer Reptilien in Reih und Glied im Unterstand, bestrebt ihr Hinterteil vor der rauhen Welt zu schützen. Wie Porzellan die kleinen grauen Eselchen, knuddelig ihre riesigen braunen Vettern im Winterpelz: die raren Poitou-Esel.
Wie bin ich beruhigt, unsere Sumpfschildkröten derweil am Grund ihres Gewässers zu wissen, wohlbehütet durch das Schutzdach aus Eis und Schnee - statt in Curlingmanier darüberzuschliddern.
Nur schade, dass sie dadurch die Schönheit ihres Biotops im Winter verpassen.
Tun aber Sie sich etwas Gutes: spazieren Sie durch den traumhaften verschneiten Basler Tierpark Lange Erlen!
Sie haben die Möglichkeit, dieses Wintermärchen ausgiebig zu geniessen, auch wenn Sie jetzt nicht von paddelnden oder sich sonnenden Europäischen Sumpfschildkröten unterhalten werden.
Susan Wermuth
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